Brennpunkt Bildung

Nachwuchsgruppe der Hans-Böckler-Stiftung zum Thema "Segregierte Quartiere als Bildungsräume?"

Schulische Ordnung und Subjektivierung

Das Promotionsprojekt von Thorsten Hertel untersucht Praktiken der Etablierung und Aufrechterhaltung, aber auch der Brechung und des Unterlaufens schulischer Ordnungsstrukturen aus machtanalytischer Perspektive. Dazu wählt das Projekt einen Fokus auf sozial benachteiligten Quartieren deutscher Großstädte, wobei davon ausgegangen wird, dass sich die Widersprüche sozialer Verfasstheit mit ihren ausgrenzenden und marginalisierenden Effekten in diesen Räumen verschärft zeigen und ebendiese Effekte auf der anderen Seite durch schulische Praktiken reproduziert und verstetigt werden.

Über die Interpretation von Gruppendiskussionen und Interviews mit schulischen Akteuren aus vier kontrastiv angelegten Fallstudien mittels der dokumentarischen Methode (Bohnsack) sollen dazu Strukturen und Praktiken der Verhaltensnormierung, insbesondere solche des Disziplinierens und Strafens, durch die Rekonstruktion der ihnen zugrundeliegenden handlungsleitenden Wissensbestände erschlossen werden. Die Arbeit soll damit 1) zu einem tieferen Verständnis schulischer Ordnungspraxis beitragen, diese 2) im Zusammenhang übergeordneter sozialer Strukturen verstehen und 3) einen Beitrag zu Erklärung aktueller Ungleichheitslagen im Bildungssystem leisten. Damit soll 4) eine Basis für die anschließende Entwicklung von Perspektiven der Überwindung ebendieser Strukturen und Routinen geleistet werden.